Flauschig und böse

Der Artikel von Bettina Weber aus der Sonntagszeitung vom 21. Oktober 2018 (Sonntagszeitung.ch) kann uns Strickerinnen nicht kalt lassen! 

Ende Mai veröffentlichte die "Washington Post" üble Videos der Tierschutzorganisation Peta, die sie in südafrikanischen Mohairziegen-Farmen gedreht hatte. Rund 70 Unternehmen (u.a. H&M, Gap, Esprit, Mango u.v.a.) hatten daraufhin verkündet, Mohairwolle ab 2019 oder spätestens 2020 aus dem Sortiment zu nehmen (vgl. Sonntagszeitung, 21.10.2018, S.51).

So schreibt Weber weiter, dass ethisches Bewusstsein und kritischer Konsum nicht mehr beim Pelzboykott aufhört - da fange es gerade erst an. Und deshalb sei jetzt die Wolle dran. Die segelte bis anhin unbehelligt kuschelig im Windschatten des offensichtlich unsympathischen Pelzes, galt als ökologisch einwandfreies Naturprodukt und dafür müsse kein Tier sein Leben lassen. Also was soll daran verwerflich sein? Ziemlich viel, leider, schreibt Weber dazu (vgl. ebd.).

Ich habe  die Bilder von Peta nicht gesehen - die Beschreibung im Zeitungsartikel reichen vollkommen aus, um sich bewusst zu werden, dass das Thema uns alle angeht! Die Bilder seien so verstörend, so Weber, wie jene, die man aus Schlachthöfen kennt, in denen Tiere misshandelt werden. Dieser Umgang mit den Tieren sei keine Ausnahme, weil sich die meisten Zuchten (Angorahasen, Mohair- und Kaschmirziegen) in Ländern wie China befinden, wo Tierschutzgesetze ganz oder nahezu inexistent seien (vgl. ebd.).

Wie soll ich also als Stickerin wissen, wie meine Wolle produziert wurde? Weber schreibt, dass es kaum möglich sei, die Herkunft von Wolle nachzuvollziehen oder mit Bestimmtheit sagen zu können, unter welchen Umständen die Wolle produziert worden sei. Sie zitiert Christine Künzli, stellvertretende Geschäftsleiterin der Stiftung Tier im Recht, die kurz und bündig sagt:" Wer sicher sein will, kein Qualprodukt zu tragen, verzichtet ganz auf Merinowolle" (vgl. ebd.).

 

So, jetzt wissen wir es! Ich verzichte darauf, euch nun noch die Auflistung nachzuschieben, wie man bei welchem Tier zur Wolle kommt... Nachzulesen wäre es aber in der entsprechenden Sonntagszeitung (sonntagszeitung.ch). Nur soviel: Es werden gerupfte, statt angeblich geschorene Angorakaninchen genannt oder im bitterkalten Winter geschorene Kaschmirziegen. Als negative Nebenwirkungen der hohen Nachfrage genannter Wolle werden Versteppung und Wasserknappheit erwähnt (vgl. ebd.).

 

Mit meinem Blogeintrag hinterlasse ich meine Leserinnen und Leser sicherlich mit einem unguten Gefühl, das ist mir bewusst. Doch ich bin der festen Überzeugung, dass wir auch hier - wie in so vielen Bereichen unseres Lebens - nicht einfach wegschauen können. Mit diesem Bewusstsein will ich nun noch genauer beim Wolleinkauf hinschauen, mich zuvor genau informieren und mein Wissen weitergeben.

Aber ich gestehe, es ist nicht einfach! Wie sieht es denn nun genau mit meiner aktuellen Wolle auf den Nadeln aus? Ich werde dran bleiben, so wie ich es auch seit Jahren mit meinem Fleischkonsum, meinem Kleiderkonsum oder meinem saisonalen Essverhalten handhabe. Immer im Wissen, dass ich die Welt damit nicht retten kann, aber vielleicht ein kleines Bisschen dazu beitragen kann, dass sie besser wird...

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